Letzte Woche habe ich im Rechtsausschuss einer anderen Stadtverordneten vorgeworfen, mir Familienzeit zu klauen. Nicht, weil sie einmal zu viel gefragt hat (Ich stehe zum Sesamstraßen-Motto „wer nicht fragt bleibt dumm…“), sondern weil sie zu jedem Thema ihre Meinung und Rechtsauffassung in einem Ausmaß darlegt, das es selbst über die geltenden Regelungen der Geschäftsordnung hinausgeht.
Ich freue mich ja, wenn Menschen sich selbst sehr wichtig nehmen. Wirklich. Wenn das Ego aber zu Lasten unserer Demokratie und meiner Familie geht, werde ich wütend. Denn die sind mir wichtig. Wirklich wichtig.
Und zur Zeit werden in unseren Ausschüssen demokratische Rechte genutzt, um die Demokratie ad absurdum zu führen. Hier wollen Stimmen nur gehört werden, „weil das unser demokratisches Recht ist“, nicht, weil es in der Sache wichtig wäre oder zu einer konstruktiven Lösung beitragen würde. Das halte ich für wirklich undemokratisches Verhalten.
Nach meinem Hinweis auf die geklaute Familienzeit wurde es laut im Raum: „Du musst ja nicht hier sein“, „Was interessiert mich deine Familie“.
Vermutlich ist das wahr, diese Personen interessieren Familien nicht. Vermutlich auch keine jungen Menschen oder Frauenrechte. Meines Wissens nach sind wir von 28 Stadtverordneten nur 3, die Kinder unter 12 Jahren haben. Ich bin mit 40 Jahren unter den jüngsten Personen und eine von nur 8 Frauen in der Stadtverordnetenversammlung.
Wenn ich jetzt auch gehe, fehlt hier eine Stimme für Familien und Kinder und die Stimmen für Frauen würden noch leiser.
Kommunalpolitik ist und bleibt nicht familienfreundlich und trotz grandioser Betreuung durch Papa, Oma und Kita sitze auch ich oft mit schlechtem Gewissen meiner Familie gegenüber in Ausschüssen, Fraktionsrunden etc.
Aber ich sitze hier, weil ich dieses Mandat ernst nehme – und weil meine Tochter der Grund ist, warum ich das überhaupt mache. Ich möchte mein Möglichstes tun, um ihr eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Das mache ich voller Engagement und Zuversicht… ich würde nur einfach gerne in den Ausschüssen arbeiten können – und zwar konstruktiv und gemeinsam, für ein lebenswertes Zossen.
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